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Frankreich

Frankreich

Mein Urlaub stand vor der Tür, noch immer war ich mir unsicher, was dieses Jahr mein Reiseziel werden sollte. Reisen auf jeden Fall wollte ich, das immerhin war mir klar. Was war ein Urlaub ohne Reisen, nur wohin? Es gab so viele Möglichkeiten. Mit dem Flugzeug in die Ferne, einen Segeltörn auf der Nordsee oder vielleicht doch lieber direkt an der Haustür beginnen, ohne allzu große Vorbereitungen? Fürs Segeln war es nun sowieso zu spät, da hätte ich rechtzeitig buchen müssen und Last minute irgendwohin, war auch nicht wirklich nach meinem Geschmack.

Also wieder einmal mit dem Motorrad nach Frankreich. Es war nicht das erste Mal und es würde wohl auch nicht das letzte Mal sein. In Frankreich war man von hier aus schnell, da genügte auch ein kurzer Urlaub und Reisen mit dem Motorrad versprach jedes Mal wieder Unabhängigkeit und ein Gefühl von Freiheit. Auch mit der Sprache kam ich so halbwegs klar. Um nach dem Weg zu fragen und mich auf dem Campingplatz einrichten zu können, dazu genügten meine Sprachkenntnisse jedenfalls.

Also war die Entscheidung gefallen. Motorrad bepacken und los ging die Reise ins nahe Frankreich.

Zunächst einmal durch die Vogesen, diese schöne hügelige Waldlandschaft mit ihren vielen Kurven.

Dann Richtung Süden, einmal im Jahr musste ich das Meer sehen und dieses Jahr würde es – wieder einmal – eben das Mittelmeer in Frankreich sein. Dem Midi bin ich seit Jahren verfallen. Also Richtung Süden vorbei an Grenoble, dem Land der Walnüsse, die im Herbst notfalls mit der Flinte gegen ungebetene Sammler verteidigt werden, nach Montelimar, die Stadt des Nougat. Überall prangt hier dieses Wort Nougat, sei es in der Tankstelle oder beim Schuster, überall gibt es diese Spezialität zu kaufen.

Und dann war ich in der Provence. Das Visier des Motorradhelms hochgeklappt, um ja den Duft dieser wunderschönen Landschaft nicht zu verpassen. Und nachts den Eingang des Zeltes geöffnet, um das Zirpen der Zikaden zu hören, das die warme Luft erfüllt.

Noch wenige Kilometer und ich hatte das Meer erreicht. „Meinen“ langgezogenen Sandstrand bei Sète, der mich immer wieder lockte. Hier machte ich eine mehrtägige Pause und genoss Sonne und Meer zur Genüge. Dann ging es weiter. Durch die kargen und doch so wunderschönen Hügel der Cevennen hinüber zum Canal du Midi. Eines Tages würde ich mir an diesem Wasser, beschattet von unzähligen Platanen, einen alten ausgemusterten Lastkahn kaufen und dort mein Leben genießen.

Aber noch war es nicht so weit, noch lebte ich in einer Zeit, in der der Urlaub immer wieder allzu früh zuende ging. Und bald schon war es so weit. Ich musste mich wieder ostwärts wenden, durch das massif central zum Jura-Gebirge. Dort schlängelte ich mich noch einmal genüsslich durch die kurvigen Bergstraßen und dann war die Reise schon wieder vorbei. Frankreich wieder Erinnerung – bis zum nächsten Mal.